Lachen bis zum Schluss

Teil 2 von Erwachen für Tod ist dem Lachen gewidmet. Weinen in schwierigen Momenten des Lebens darf sein, soll sein. Hat seine Berechtigung. Seine Heilkraft.  Sterben ist ein Übergang. Ein Prozess. Er darf auch leicht sein.  Lachen bis zum Schluss macht ihn leichter, trägt uns wie Engelsflügel. Nicht das, worüber wir gelacht haben ist kostbar – sondern das Gefühl von Lebendigkeit, von Gemeinschaft macht diese Augenblicke so teuer.
Und damit du es nachher nicht vergisst. Schreib dich gleich hier ein für meinen Newsletter und verpasse keinen Beitrag von Erwachen für Tod.

Kennst du das, du betrittst ein Kranken- oder Sterbezimmer und alle sind leise, benehmen sich betreten, verhalten, vermeintlich rücksichtsvoll? Sind wie gelähmt vom nahenden Tod? Und du platzt herein, mitten aus dem prallen Leben, randvoll mit Lebensfreude. In deinem bunten Sommerkleidchen…… Du schaust dem Sterbenden liebevoll offen ins Gesicht.  Siehst, dass er heute ganz präsent und bei sich ist. Wirfst ein fröhliches Kickericki in die Runde? Und erntest vernichtende, abstrafende Blicke?

Haben die alle vergessen, dass wir uns hier einfinden, um die Vollendung eines Lebens zu begleiten, zu feiern? Zeuge zu sein für gelebtes Leben?  Kennen die die Heilkraft, das Befreiende des gemeinsamen Lachens nicht? Können die Sterben und Tod bloss als Abstieg, als Scheitern erleben?

Natürlich ist es Sterbenden und ihrem Umfeld nicht immer leicht und fröhlich ums Herz – aber warum eigentlich nicht?

Der Alltag mit Sterbenden bietet so viele Möglichkeiten zur  Situationskomik. Immer wenn ich an den nachfolgenden Dialog zurückdenke, verströmt sich mein Herz. Und manchmal  füllen sich meine Augen mit Tränen – Zärtlichkeitstränen.

 

Einige Tage vor G.s Tod: Ich kam ins Zimmer und G. sass an der Bettkante, ganz offensichtlich bemüht aufzustehen.“ Oh, wo willst du denn hin, Lieber? „

Ohne mich anzusehen, sagte er: „ ich muss hier links abbiegen.“ „ Aha!“ sagte ich und versuchte zu sehen, was es da wohl geben könnte, das ihn rief. Ich sah nicht, erkannte nicht, welche Bilder er im Innen wohl sehen mochte. Welche Unruhe ihn trieb.

Also sagte ich ihm: „weisst du, es ist gerade keine Schwester im Zimmer und wenn du jetzt aufstehst, kann ich dich vielleicht nicht halten. Vielleicht magst mir aber sagen, was du da drüben möchtest und ich hole es dir.“

Noch immer stand ich vor ihm.

 

Er schüttelte den Kopf: „Frau geh einfach weg! ich muss jetzt hier links abbiegen!“

Also setzte ich mich neben ihn aufs Bett.

Erneut schüttelte er den Kopf, sagte bedächtig:

„F r a u e n   v e r s t e h e n   d a s   e i n f a c h   n i c h t.“

Ein kurzes Schweigen. Auf meinem Gesicht ein breiter Grins.

Wieder schüttelte er den Kopf.

Dann:  „es ist einfach schwierig. Die Chemie zwischen Frauen und Männer…………………… i s t  e i  n f a c h  s c h w i e r i g !“

Dann wir beide auf dem Bett – lachend. Ein Lachen hüpfend wie farbige Perlen, die auf den Boden fallen……………..

Wenig später konnte ich G. ohne weiteres wieder ins Bett bringen und er philosophierte gelassen weiter über Frauen und Männer, Chemie und Physik.

Die Atmosphäre im Raum war jetzt entspannt. Nähe, Leichtigkeit und Freude füllten ihn. Das Gefühl von tiefem Verbundensein durchströmte unsere Herzen.

 

Ein Glücksmoment  im Angesicht des Todes.

Wann immer ich an diesen Moment zurückdenke, fühle ich seine Süsse. Wie ein schwarzes Stückchen Schokolade, das langsam auf meiner Zunge zergeht.

Einen Augenblick hatten sich alle Schleier gehoben. Wir hatten gemeinsam die Vollkommenheit dieses Moments erkannt. Gelebt.

Das Mantra „Ich ehre die Schönheit dieses perfekten Moments“ begleitet mich seither. Gerade in schwierigen Zeiten.

Atme da hinein – und wenn du gelebt hast, dann wirst du es spüren!

wie gerne würde ich heute mit dir lachen, wie dankbar bin ich für jedes gemeinsame Lachen - bis zum Schluss. Unvergänglich. Kostbarkeiten. Wegzehrung.
Wie gerne würde ich heute mit dir lachen, wie dankbar bin ich für jedes gemeinsame Lachen – bis zum Schluss. Unvergänglich. Kostbar. Wegzehrung. Jedes Lachen ist eine Liebesgeschichte, eine LIebeserklärung an den Augenblick. Jeden Augenblick ausgekostet, in der Situation verblieben bis zum Letzten, im festen Glauben, dass sich dahinter etwas anderes für uns zeigen wird.

Keinen Beitrag mehr verpassen. Erwachen für Tod kommt mit dem Newsletter direkt in deine Inbox.

 


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.