Menscheln

ERWACHEN FÜR TOD 4: Die Kommunikation von Herz zu Herz ist/bleibt im Vorhof des Todes unendlich wichtig. Das Menscheln auch.

Trotz aller Achtsamkeit ist es nicht immer einfach, ganz bei sich, ganz beim Gegenüber zu sein. Gestatten wir uns Mensch zu sein, Fehler zu machen und bis zum Ende voneinander und miteinander zu lernen wie liebevolle, wahrhaftige Kommunikation gemeint ist. Alles andere ist furchtbar anstrengend.

 

Ich erinnere mich.

Es ist etwas mehr als ein Jahr her.

G. hatte in der Apotheke seine Medikamente gegen Übelkeit und Nebenwirkungen der Chemotherapie abgeholt. Das Säckchen aus der Apotheke lag im Eingang. Ich schaute hinein und sah neben den vielen neuen Medis einen Bildkalender für das kommende Jahr. Die Bilder schienen mir hässlich, lieblos zusammengetragen und ich fragte mich, ob ich den Kalender wortlos entsorgen sollte.

Die Vorstellung bald eine Kalendersammlung unerwünschter und ungenützter Kalender im Haus zu haben, nervte. Und die vielen Medikamente, die schlussendlich auch noch auf meinem Küchenbord liegen würden, so dass man sie – wann immer man die Küche betrat – sofort sah, nervten irgendwie auch.  Ich sah schon die Papierstapel, die ich demnächst würde entsorgen müssen. Behutsam sagte ich deshalb zu G.: „Du bringst mir jetzt aber bitte nicht jeden Kalender, den man dir anbietet nach Hause und schon gar nicht, wenn sie so nichtssagend sind, wie dieser hier.“

Schweigen!

 

Ich ging ins Zimmer, in dem G. sass  und sich von seiner Einkaufstour erholte. Ich schaute ihn fragend an.

Da liefen ungehemmt Tränen über sein Gesicht. „Ups! Habe ich was Falsches gesagt?“ Staunte ich.

„Nein, nein,“ sagte er. „Du hast ja Recht. „ Wieder liefen Tränen.

„Es ist nur – ich war so gerührt, dass mir – mir todgeweihtem Mann – jemand einen Kalender gab. Einen Kalender für das kommende Jahr. Dass mich also noch jemand im nächsten Jahr leben sehen hat.“

Nun war es an mir gerührt zu sein. Und meine Seelenfensterchen vom Tränenwasser reinigen zu lassen.

 

Wie dankbar war ich für diese Lektion.

 

Wie dankbar war ich meinem geliebten  Partner, denn er zeigte mir in den folgenden Wochen und Monaten, mit wie viel Liebe ich Menschen begegnen kann.

Verletzungen passieren manchmal, auch wenn wir es nicht wollen.  Denn jeder von uns hat seine je eigene Geschichte, seine persönlichen Erfahrungen. Narben vom Leben.

G. und ich waren uns einig, wie wichtig es für uns war, wahrhaftig zu sein, wahrhaftig zu sagen, was wir fühlten und keine geschützte Zone einzurichten nur weil das Todesschwert über uns hing. Wir waren uns auch bewusst, dass es vielleicht nicht immer gelingen würde.

 

Menscheln

Frei Schnauze aber stets auf Herzwelle – wann immer es möglich war! So wollten wir es halten.

Und so haben wir gegenseitig viel über die Befindlichkeit des andern erfahren, konnten uns besser nähren, halten, begleiten.

 

An diesem Tag habe ich aufgehört, mir ständig zu überlegen, was ich sagen konnte oder durfte. Ich beschloss Menschin zu sein, meinem geliebten Partner meine Wertschätzung dadurch zu zeigen, dass ich ihn nicht laufend schonte, nur noch „Blümchensprache“ mit ihm redete und dabei im Innen verstummte. Überfordert vor mich hingrumelte. Genervt schwieg.

 

Lebendige, aufrichtige Beziehungen sind das A und O.

Auch im Sterben. Gerade im Sterben. Das Wissen und Fühlen um die Verletzlichkeit und Dünnhäutigkeit aller die Grundlage.

Übrigens ich habe G.s Söhnen den Hinweis mit dem Kalender weitergegeben und sie haben ihn zu seinem Geburtstag zwei Wochen später einen wunderschönen Kalender mit Bildern von sich und den süssen Enkelkindern geschenkt…………….

 

wire sculture by fantasywire

Wenn das Gespräch zwischen zwei Wesen gelingt, ist es einfach nur wunderbar und beide fühlen sich leicht und beschwingt.

In diesem Sinne wünsche ich Dir eine gelingende Wintersonnenwende, wahrhaftigen Austausch mit der Natur, mit dir selbst, und allen Wesen und Welten.

 

Ich sehe Dich: Kyra

 

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